Die inoffiziellen Schweden-Tagebücher
02.12.2019, Berlin
Die gestrige Ausgabe der bekannten ARD-Talkshow "Anne Will" wurde unmittelbar nach der Ausstrahlung von vielen Seiten stark kritisiert. So bezeichnete etwa Karl Moik die Sendung post mortem als "unzumutbaren Skandal".
Einer der Vorwürfe der zahlreichen Kritiker lautet, die Gäste hätten zum Thema der Sendung ("Ingwertee - Fluch oder Segen?") nicht das Geringste beigetragen. Besonders heftig kritisiert wurden Herr Dr. Nik, Experte für islamisches Recht, und Herr Dr. Crash, Experte der norwegischen Bäcker-Innung (Abteilung für Pfannkuchen). Der Auftritt der beiden Herren wurde als "groteske Selbstdarstellung" geahndet. Besagte Herren trugen zur Sendung extrem lange Gehröcke, deren Schöße von jeweils 24 Blumenkindern getragen und deren Enden während der Sendung in einem Taxi durch die Bundeshauptstadt gefahren wurden. Allein vom Beginn der Sendung bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Herren endlich umständlich Platz genommen hatten, vergingen 20 Minuten. Die Tatsache, dass sich die Prozedur gegen Ende der Sendung wiederholte, goss metaphorisches Öl ins lodernde Feuer der Kritik. Während der Sendung störten die beiden die restlichen Gäste, indem sie fortwährend Rotwein und Cognac tranken und dabei große Zigarren rauchten.
Selbst einige der anderen Gäste der Sendung brachten ihre Missgunst zum Ausdruck: Jasmin Wagner beispielsweise, die als Expertin für mathematische Wirtschaftstheorie geladen war, beschwerte sich "[...] ich bin nicht ein einziges Mal zu Wort gekommen". Auch Barack Obama, der lediglich als Pausenclown engagiert worden war, und Guido Westerwelle (Experte der FDP für Handfeuerwaffen) verurteilten das "bizarre Gehabe" der beiden Doktoren.
Als die Moderatorin Anne Will sich anschickte, den an diesem Abend geladenen Keynote Speaker Roberto Blanco, den Integrationsbeauftragten der NPD, zu interviewen, fielen die beiden Herren wiederum negativ auf, indem sie sich lautstark zotige Witze erzählten und sich anschließend gegenseitig übertriebene Komplimente in Bezug auf ihre Abendgarderobe machten.
Nachdem Anne Will eine halbe Stunde lang erfolglos versucht hatte, die Kontrolle über die Diskussionsrunde wieder zu erlangen, verließ die Moderatorin wutentbrannt das Studio, was von Kritikern als "unprofessionelle Emotionalität" bezeichnet wurde. Die anschließende Schlägerei, die kurz darauf zwischen den genannten beiden Herren, Jasmin Wagner und Roberto Blanco entbrannte, dürfte Gegnern des Formates ein weiteres Argument für die endgültige Absetzung der Sendung liefern.
Die gestrige Ausgabe der bekannten ARD-Talkshow "Anne Will" wurde unmittelbar nach der Ausstrahlung von vielen Seiten stark kritisiert. So bezeichnete etwa Karl Moik die Sendung post mortem als "unzumutbaren Skandal".
Einer der Vorwürfe der zahlreichen Kritiker lautet, die Gäste hätten zum Thema der Sendung ("Ingwertee - Fluch oder Segen?") nicht das Geringste beigetragen. Besonders heftig kritisiert wurden Herr Dr. Nik, Experte für islamisches Recht, und Herr Dr. Crash, Experte der norwegischen Bäcker-Innung (Abteilung für Pfannkuchen). Der Auftritt der beiden Herren wurde als "groteske Selbstdarstellung" geahndet. Besagte Herren trugen zur Sendung extrem lange Gehröcke, deren Schöße von jeweils 24 Blumenkindern getragen und deren Enden während der Sendung in einem Taxi durch die Bundeshauptstadt gefahren wurden. Allein vom Beginn der Sendung bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Herren endlich umständlich Platz genommen hatten, vergingen 20 Minuten. Die Tatsache, dass sich die Prozedur gegen Ende der Sendung wiederholte, goss metaphorisches Öl ins lodernde Feuer der Kritik. Während der Sendung störten die beiden die restlichen Gäste, indem sie fortwährend Rotwein und Cognac tranken und dabei große Zigarren rauchten.
Selbst einige der anderen Gäste der Sendung brachten ihre Missgunst zum Ausdruck: Jasmin Wagner beispielsweise, die als Expertin für mathematische Wirtschaftstheorie geladen war, beschwerte sich "[...] ich bin nicht ein einziges Mal zu Wort gekommen". Auch Barack Obama, der lediglich als Pausenclown engagiert worden war, und Guido Westerwelle (Experte der FDP für Handfeuerwaffen) verurteilten das "bizarre Gehabe" der beiden Doktoren.
Als die Moderatorin Anne Will sich anschickte, den an diesem Abend geladenen Keynote Speaker Roberto Blanco, den Integrationsbeauftragten der NPD, zu interviewen, fielen die beiden Herren wiederum negativ auf, indem sie sich lautstark zotige Witze erzählten und sich anschließend gegenseitig übertriebene Komplimente in Bezug auf ihre Abendgarderobe machten.
Nachdem Anne Will eine halbe Stunde lang erfolglos versucht hatte, die Kontrolle über die Diskussionsrunde wieder zu erlangen, verließ die Moderatorin wutentbrannt das Studio, was von Kritikern als "unprofessionelle Emotionalität" bezeichnet wurde. Die anschließende Schlägerei, die kurz darauf zwischen den genannten beiden Herren, Jasmin Wagner und Roberto Blanco entbrannte, dürfte Gegnern des Formates ein weiteres Argument für die endgültige Absetzung der Sendung liefern.
03.08.2009, Jakobsberg
Einer der deutschen Künstler, die ich am meisten schätze, ist Michael Schumacher. Michael und ich haben uns 1999 bei einer Wohltätigkeitsgala der UNESCO zugunsten herrenloser Hundebabys kennengelernt. Seitdem sind wir gute Freunde. Beinahe jedes Jahr treffen wir uns im Sommer (sofern unsere Terminkalender es zulassen) und gehen zusammen Fliegenfischen oder Eisessen oder so. Dabei versuchen wir immer, neue Städte zu besuchen, die wir noch nicht kennen - letztes Jahr waren wir zum Beispiel Skateboardfahren in Venedig.
Letzten Sonntag rief ich Michael an und erzählte ihm, dass ich gerade in Schweden bin. Er war sofort begeistert und bestand darauf, sofort vorbeizukommen. "Gern, Michi!" sagte ich und holte ihn am Montagabend vom Flughafen ab, wo er mit seinem Privatjet gelandet war. Anschließend fuhren wir direkt nach Jakobsberg und setzten uns in ein schnuckeliges kleines Restaurant namens "Mördares träsk". Michael bestellte sich eine Latte macchiato, ich bestellte mir einen Whiskey mit Eis. Wir lachten viel und sprachen über alte Zeiten. Es war schön, meinen alten Freund nach fast einem Jahr endlich wiederzusehen. Als wir gerade beschlossen hatten, uns noch einen Kernbrennstab zu teilen, blieb mir plötzlich der zotige Witz, den ich gerade erzählen wollte, im Hals stecken, denn soeben hatte Michael Schumachers Erzfeind das Lokal betreten: Kai Pflaume.
Da Michael mit dem Rücken zur Tür saß, bemerkte er seinen Widersacher nicht, doch an meinem entgeisterten Gesichtsausdruck merkte er sofort, dass etwas nicht stimmte. Kai Pflaume jedoch war schnell - unmittelbar, nachdem seine Augen sich an das schummrige Licht gewöhnt hatten, hatte er uns auch schon bemerkt und stürmte wie ein Berserker auf meinen Freund los. Da ich wusste, dass Michael nicht gerade mit einer guten Reaktionsfähigkeit gesegnet ist, hechtete ich über den Tisch und stieß ihn mitsamt seinem Stuhl beiseite, ehe Kai Pflaume ihn erreichen konnte. Als ich mich vom Boden aufrappelte, hatte Kai Pflaume unseren Tisch erreicht und ich sah wie in Zeitlupe, dass er ein riesiges Klappmesser zückte. Er schenkte mir jedoch keine Beachtung, sondern wandte sich sofort Michael zu, der gerade ebenfalls dabei war, wieder aufzustehen. Ich verstand, dass es diesmal wirklich Ernst war. Kai Pflaume wollte Blut sehen. Ohne nachzudenken griff ich nach einer Weinflasche, die von unserem Nebentisch zu Boden gefallen war (ich erkannte aus dem Augenwinkel, dass es sich um einen Spätburgunder aus dem Jahre 1998 handelte), zerbrach sie und rammte Kai Pflaume eine große Scherbe in die Halsschlagader. Als der Spätburgunder sich mit dem Blut von Kai Pflaume zu vermischen begann, war ich bereits bei Michael und stellte erleichtert fest, dass ihm nichts passiert war: Ich hatte in letzter Sekunde die heimtückische Attacke des wahnsinnigen Showmasters vereitelt.
Michael stand ganz offensichtlich unter Schock. Das Einzige, was er sagte, war "Nicht schon wieder..." Ich warf der völlig entsetzten Kellnerin einen Zehntausend-Kronen-Schein zu, packte Michael am Arm und zog ihn aus dem Etablissement. Als wir in meiner Wohnung angekommen waren, hatte er den ersten Schock überwunden und die Tränen begannen zu fließen. Geduldig hielt ich meinen alten Freund im Arm und tröstete ihn. Als wir später noch bei einem Glas Spätburgunder über die Vorfälle des Abends sprachen und uns dabei die Sondersendung "Meuchelmord in Jakobsberg" ansahen, kamen wir zu dem Schluss, dass mit Kai Pflaume der wohl gefährlichste Gegner von Michael aus dem Weg geräumt worden war und die unmittelbare Gefahr wohl vorüber sei.
Ich kann nur inständig hoffen, dass wir uns nicht getäuscht haben. Ein Mann wie Michael Schumacher hat viele Feinde auf der Welt... zu viele Feinde.
Einer der deutschen Künstler, die ich am meisten schätze, ist Michael Schumacher. Michael und ich haben uns 1999 bei einer Wohltätigkeitsgala der UNESCO zugunsten herrenloser Hundebabys kennengelernt. Seitdem sind wir gute Freunde. Beinahe jedes Jahr treffen wir uns im Sommer (sofern unsere Terminkalender es zulassen) und gehen zusammen Fliegenfischen oder Eisessen oder so. Dabei versuchen wir immer, neue Städte zu besuchen, die wir noch nicht kennen - letztes Jahr waren wir zum Beispiel Skateboardfahren in Venedig.
Letzten Sonntag rief ich Michael an und erzählte ihm, dass ich gerade in Schweden bin. Er war sofort begeistert und bestand darauf, sofort vorbeizukommen. "Gern, Michi!" sagte ich und holte ihn am Montagabend vom Flughafen ab, wo er mit seinem Privatjet gelandet war. Anschließend fuhren wir direkt nach Jakobsberg und setzten uns in ein schnuckeliges kleines Restaurant namens "Mördares träsk". Michael bestellte sich eine Latte macchiato, ich bestellte mir einen Whiskey mit Eis. Wir lachten viel und sprachen über alte Zeiten. Es war schön, meinen alten Freund nach fast einem Jahr endlich wiederzusehen. Als wir gerade beschlossen hatten, uns noch einen Kernbrennstab zu teilen, blieb mir plötzlich der zotige Witz, den ich gerade erzählen wollte, im Hals stecken, denn soeben hatte Michael Schumachers Erzfeind das Lokal betreten: Kai Pflaume.
Da Michael mit dem Rücken zur Tür saß, bemerkte er seinen Widersacher nicht, doch an meinem entgeisterten Gesichtsausdruck merkte er sofort, dass etwas nicht stimmte. Kai Pflaume jedoch war schnell - unmittelbar, nachdem seine Augen sich an das schummrige Licht gewöhnt hatten, hatte er uns auch schon bemerkt und stürmte wie ein Berserker auf meinen Freund los. Da ich wusste, dass Michael nicht gerade mit einer guten Reaktionsfähigkeit gesegnet ist, hechtete ich über den Tisch und stieß ihn mitsamt seinem Stuhl beiseite, ehe Kai Pflaume ihn erreichen konnte. Als ich mich vom Boden aufrappelte, hatte Kai Pflaume unseren Tisch erreicht und ich sah wie in Zeitlupe, dass er ein riesiges Klappmesser zückte. Er schenkte mir jedoch keine Beachtung, sondern wandte sich sofort Michael zu, der gerade ebenfalls dabei war, wieder aufzustehen. Ich verstand, dass es diesmal wirklich Ernst war. Kai Pflaume wollte Blut sehen. Ohne nachzudenken griff ich nach einer Weinflasche, die von unserem Nebentisch zu Boden gefallen war (ich erkannte aus dem Augenwinkel, dass es sich um einen Spätburgunder aus dem Jahre 1998 handelte), zerbrach sie und rammte Kai Pflaume eine große Scherbe in die Halsschlagader. Als der Spätburgunder sich mit dem Blut von Kai Pflaume zu vermischen begann, war ich bereits bei Michael und stellte erleichtert fest, dass ihm nichts passiert war: Ich hatte in letzter Sekunde die heimtückische Attacke des wahnsinnigen Showmasters vereitelt.
Michael stand ganz offensichtlich unter Schock. Das Einzige, was er sagte, war "Nicht schon wieder..." Ich warf der völlig entsetzten Kellnerin einen Zehntausend-Kronen-Schein zu, packte Michael am Arm und zog ihn aus dem Etablissement. Als wir in meiner Wohnung angekommen waren, hatte er den ersten Schock überwunden und die Tränen begannen zu fließen. Geduldig hielt ich meinen alten Freund im Arm und tröstete ihn. Als wir später noch bei einem Glas Spätburgunder über die Vorfälle des Abends sprachen und uns dabei die Sondersendung "Meuchelmord in Jakobsberg" ansahen, kamen wir zu dem Schluss, dass mit Kai Pflaume der wohl gefährlichste Gegner von Michael aus dem Weg geräumt worden war und die unmittelbare Gefahr wohl vorüber sei.
Ich kann nur inständig hoffen, dass wir uns nicht getäuscht haben. Ein Mann wie Michael Schumacher hat viele Feinde auf der Welt... zu viele Feinde.
22.07.2009, Stockholm
Gestern war ich in einem kleinen netten Café in Stockholm. Zunächst setzte ich mich still in eine Ecke und wurde nicht weiter beachtet. Als dann schließlich die Kellnerin kam und mich fragte, was ich denn haben wolle, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sagte laut und deutlich: "Jag skulle vilja har gamla kärnbränstabet."
Auf einen Schlag verstummten alle Gespräche um mich herum. Es war, als würde die Zeit stehenbleiben. Es vergingen einige Sekunden - oder waren es Minuten? - unerträglich beklemmender Stille. Dann fingen plötzlich alle an, zu lachen und vor Freude in die Hände zu klatschen. Die Kellnerin grinste und klopfte mir anerkennend auf die Schulter, jeder im Café wollte mir plötzlich die Hand schütteln, und alle freuten sich. Ich wurde von einigen Leuten auf die Schulter genommen und mehrmals durch das ganze Café getragen.
Dann bekam ich meinen Kernbrennstab. Er wurde mir auf einem hübschen Porzellanteller serviert. Ein geheimnisvolles grünes Licht ging von ihm aus. Ein kleines Schild verriet mir, dass es sich um einen Misch-Kernbrennstab mit Urandioxid und Plutoniumdioxid handelte. "Lecker," dachte ich. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass alle anderen Gäste erwartungsvoll zu mir herübersahen. Ich nahm das Besteck in die Hand und schnitt vorsichtig eine dünne Scheibe ab. Als ich die Gabel zum Mund führte, hielten alle den Atem an. Würde mir der radioaktive Abfall schmecken? Als ich zu kauen begann, breitete sich ein angenehmes Knistern in meinem Mund aus. Ich ließ - ganz der Kenner - das Mischoxid ein wenig um Mund herumgehen und schloss dabei die Augen. Als ich schließlich genug gekaut hatte, öffnete ich die Augen und sah lauter angespannt wartende Gesichter. Ich setzte ein süffisantes Lächeln auf und sagte "Det är mycket bra."
Für einen kurzen Moment passierte gar nichts. Dann brach plötzlich wieder Jubel los, die Menschen sprangen auf, lachten und tanzten und trugen mich nochmal auf ihren Schultern durchs Lokal. Alle schlugen mir auf die Schulter, lachten und freuten sich, dass mir der Kernbrennstab geschmeckt hatte. Die Freude war so groß, dass man mich beinahe nicht gehen lassen wollte, doch nach etwa einer Stunde beteuerte ich, dass ich nun wirklich nach Hause müsse. Begleitet von Jubelschreien und guten Wünschen verließ ich das Café.
Dies war bisher eines meiner schönsten Erlebnisse in Stockholm. Ich hoffe, dass ich noch weitere kulinarische Höhepunkte entdecken werde, doch die grünlich leuchtende Köstlichkeit, die man mir an diesem Abend kredenzt hatte, wird schwer zu toppen sein...
Gestern war ich in einem kleinen netten Café in Stockholm. Zunächst setzte ich mich still in eine Ecke und wurde nicht weiter beachtet. Als dann schließlich die Kellnerin kam und mich fragte, was ich denn haben wolle, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sagte laut und deutlich: "Jag skulle vilja har gamla kärnbränstabet."
Auf einen Schlag verstummten alle Gespräche um mich herum. Es war, als würde die Zeit stehenbleiben. Es vergingen einige Sekunden - oder waren es Minuten? - unerträglich beklemmender Stille. Dann fingen plötzlich alle an, zu lachen und vor Freude in die Hände zu klatschen. Die Kellnerin grinste und klopfte mir anerkennend auf die Schulter, jeder im Café wollte mir plötzlich die Hand schütteln, und alle freuten sich. Ich wurde von einigen Leuten auf die Schulter genommen und mehrmals durch das ganze Café getragen.
Dann bekam ich meinen Kernbrennstab. Er wurde mir auf einem hübschen Porzellanteller serviert. Ein geheimnisvolles grünes Licht ging von ihm aus. Ein kleines Schild verriet mir, dass es sich um einen Misch-Kernbrennstab mit Urandioxid und Plutoniumdioxid handelte. "Lecker," dachte ich. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass alle anderen Gäste erwartungsvoll zu mir herübersahen. Ich nahm das Besteck in die Hand und schnitt vorsichtig eine dünne Scheibe ab. Als ich die Gabel zum Mund führte, hielten alle den Atem an. Würde mir der radioaktive Abfall schmecken? Als ich zu kauen begann, breitete sich ein angenehmes Knistern in meinem Mund aus. Ich ließ - ganz der Kenner - das Mischoxid ein wenig um Mund herumgehen und schloss dabei die Augen. Als ich schließlich genug gekaut hatte, öffnete ich die Augen und sah lauter angespannt wartende Gesichter. Ich setzte ein süffisantes Lächeln auf und sagte "Det är mycket bra."
Für einen kurzen Moment passierte gar nichts. Dann brach plötzlich wieder Jubel los, die Menschen sprangen auf, lachten und tanzten und trugen mich nochmal auf ihren Schultern durchs Lokal. Alle schlugen mir auf die Schulter, lachten und freuten sich, dass mir der Kernbrennstab geschmeckt hatte. Die Freude war so groß, dass man mich beinahe nicht gehen lassen wollte, doch nach etwa einer Stunde beteuerte ich, dass ich nun wirklich nach Hause müsse. Begleitet von Jubelschreien und guten Wünschen verließ ich das Café.
Dies war bisher eines meiner schönsten Erlebnisse in Stockholm. Ich hoffe, dass ich noch weitere kulinarische Höhepunkte entdecken werde, doch die grünlich leuchtende Köstlichkeit, die man mir an diesem Abend kredenzt hatte, wird schwer zu toppen sein...


